The Evil Within 2 – Die kreativen Köpfe hinter dem Comic

25.07.17

Sebastian Castellanos ist Experte für Schicksalsschläge. Seine Familie wurde auseinandergerissen, seine Freunde sind entweder tot oder verschollen und seine Karriere als Detective ist im Eimer. Mal ganz abgesehen davon, dass er nur mit Ach und Krach einem höllischen Albtraum entfliehen konnte – und jeder, dem er davon erzählt, ihn für verrückt erklärt. Es ist also kein Wunder, dass seine Psyche das Ganze nicht ganz unbeschadet überstanden hat. Doch bevor er seinen Job beim Krimson City Police Department verlor, arbeitete Sebastian an einem sehr ungewöhnlichen Fall. Einem Fall, der mit den schrecklichen Erlebnissen in der Beacon-Nervenklinik zusammenhängen könnte.

Die The Evil Within-Comicreihe spielt vor den Geschehnissen von The Evil Within 2 und erzählt die Geschichte dieses bizarren Falls. Wir sprachen mit Comic-Autor Ryan O'Sullivan (Warhammer 40,000: Dawn of War III, Turncoat) und den Zeichnern Damien Worm (The October Faction) und Szymon Kudranski (30 Days of Night Annual, Spawn) darüber, wie sie die Lücke zwischen den beiden Spielen überbrücken. Die erste Ausgabe des Comics wird am 6. September veröffentlicht. The Evil Within 2 folgt am Freitag, den 13. Oktober 2017 für PlayStation 4, Xbox One und PC.

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Erzählt uns, wie der Horror in euer Leben kam.

RYAN:
Ich bin ziemlich schreckhaft, also je nach Betrachtungsweise entweder der ideale oder der schlimmste Horror-Fan. Hitchcock ist einer meiner Lieblinge. Ich habe mir die meisten seiner Filme mehrmals angesehen. Das ist für mich ungewöhnlich, denn ich bin eigentlich kein großer Filmnarr. Aber bei Hitchcock fasziniert mich, wie er in deinen Kopf eindringt und deine Gedanken steuert. Ich bin auch ein großer Fan der Saw-Filme, denn die sind fast das genaue Gegenteil von Hitchcock – voller Blut, Gewalt und einfach schamlose Popkultur. Das erste The Evil Within ließ sich von beiden Filmtypen inspirieren. Es war also eine Mischung genau nach meinem Geschmack!

Ich bin nicht nur bei Filmen ein großer Horrorfan. Klassische Gruselromane wie Frankenstein und Dracula haben mich stark geprägt. Comics dagegen weniger, da es nicht viele Horror-Comics gibt, die ich für wirklich furchteinflößend halte – die meisten sind nur Abenteuer-Comics mit einer Horror-Ästhetik. Manga hingegen können einem echt einen Schauer über den Rücken jagen. Junji Itō hat mich stark beeinflusst. Viele der Techniken, die er in seinen Werken verwendet, erinnern an The Evil Within. Mir gefallen auch die Sachen von Kazuo Umezu, aber ich habe noch nicht so viel von ihm lesen können, wie ich gerne hätte.

DAMIEN:
Seit vier Jahren zeichne ich nun schon Horror-Comics. Und ich erinnere mich, wie ich schon davor lauter makabre Horrorgestalten gezeichnet habe. Ich fühle mich im Horror-Genre ausgesprochen wohl, das ist genau mein Ding.

SZYMON:
Horror ist ein sehr kreatives Genre, das mich schon seit meiner Kindheit fesselt. Es geht darum, Gefühle zu wecken und Spannung aufzubauen, zugleich muss es optisch ansprechend sein. In kreativer Hinsicht ist das eine aufregende Herausforderung.

Und wie sieht's mit Horrorspielen aus?

RYAN:
Ich habe so ziemlich jede bekannte Horrorspielreihe gezockt: Resident Evil, Silent Hill, Dead Space und System Shock, dann Alone in the Dark, Amnesia, diese ganzen komischen Slenderman-Spiele, wie immer die auch heißen mögen. Ich habe eine Vorliebe für eine Mischung aus Survival Horror und Geschichten, die in Mark und Bein eindringen. The Evil Within ist also wie für mich gemacht.

Horror ist in Spielen so viel furchteinflößender als in anderen Medien. Das liegt wohl daran, dass es das aktivste Medium ist: Du bist selber im Spiel drin und reagierst direkt auf diese entsetzlichen Dinge. Bei Büchern, Manga oder Filmen ist das viel passiver. Ich bin schon gespannt, welche Spielerlebnisse die VR-Revolution mit sich bringen wird.

DAMIEN:
Ich war schon immer ein großer Fan von Horrorspielen. Survival Horror, Horror-Adventures und so weiter. Einige Titel dieses Genres sind echte Meisterwerke, so auch The Evil Within.

SZYMON:
Mein erstes Horrorspielerlebnis hatte ich mit Resident Evil – der Anfang meiner Liebe zu diesem Genre. Zu meinen Lieblingen gehörten auch Silent Hill und dann Dino Crisis. Das war Ende der Neunziger und diese Horrorspiele haben einen mit ihren wilden Storys reingezogen. Eine spaßige Erfahrung für jeden Teenager.

Wusstet ihr schon viel über The Evil Within, als ihr mit diesem Projekt begonnen habt?

RYAN:
Aber hallo! Das fühlte sich an wie alle Horror-Videospiele, die ich jemals gezockt hatte, in einem. Für mich ist The Evil Within derzeit der König der Horrorspiele. Ich bin mit einer Menge Resident Evil aufgewachsen und TEW fühlte sich wie dessen Erbe an. Das sorgte bei mir für einen gehörigen Nostalgiefaktor.

DAMIEN:
Klar! Ich habe The Evil Within mehrmals durchgespielt und bin davon begeistert. Ich erinnere mich noch, wie aufgeregt ich an dem Tag war, an dem es angekündigt wurde.

SZYMON:
Nachdem ich gehört hatte, dass Shinji Mikami an The Evil Within beteiligt war, hab ich es sofort nach Veröffentlichung gespielt. Ich liebe es.

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Um was geht es im Comic? Wo kann man die Handlung zeitlich in The Evil Within einordnen?

RYAN:
Die Handlung des Comics spielt zwischen The Evil Within und The Evil Within 2. Sie dreht sich um Sebastian, der hinter einem Serienmörder her ist, der Leute im Stil von Ruvik umbringt – was ja eigentlich keinen Sinn ergibt ... Ruvik tötete Leute im STEM, wie kann dieser neue Killer die selben Dinge in der Realität tun? Der Comic erzählt eine eigenständige Geschichte und ich wollte, dass sie etwas Persönliches ist, separat von der übergreifenden Konspirationsstory der beiden Spiele.

Ich wollte Sebastians Psyche erkunden. Ich wollte wissen, wie er sich mit den Ereignissen des ersten Spiels auseinandersetzt. Er ist im Verstand von jemandem herumgelaufen, hat Monster bekämpft und war ständig auf der Flucht, um zu überleben. Wie wirkt sich das auf jemanden aus? Wie reagiert er darauf? Da das zweite Spiel direkt wieder in die Action springt, hielt ich eine Comicreihe für interessant, bei der Sebastian mal eine Verschnaufpause erhält, eine Gelegenheit, um sich zu besinnen. Das Verschnaufen hält sich natürlich in Grenzen – schließlich muss er immer noch einen Serienmörder jagen!

Gibt es bestimmte Szenen oder Charaktere im Comic, die euch besonders gefallen?

RYAN:
Sebastian ist mit Abstand mein Lieblingscharakter im Comic. Die gesamte Serie basiert auf der Vorstellung, dass alles nur in seinem Kopf passieren könnte. Wenn du mit der Psyche eines fiktiven Charakters spielst, fühlst du dich ihm unweigerlich verbunden. Ich erinnere mich, wie ich den Trailer für The Evil Within 2 sah, nachdem ich das Manuskript für den Comic abgeschlossen hatte. Ich ertappte mich dabei, wie ich mit Sebastian in einem Ausmaß mitfieberte, wie ich es bei Videospielcharakteren noch nie erlebt hatte. Ich hoffe, ihm ist ein Happy End vergönnt. Er hat schließlich schon einiges durchgemacht.

Ich weiß, dass Shinji Mikami ein großer Fan von Inception ist, das merkt man auch bei The Evil Within. Meine Lieblingsstellen des Spiels sind definitiv zu Beginn, wo die Übergänge aus der Perspektive einer linearen Handlung komplett durcheinander wirken. Am meisten gefiel mir das Konzept, dass wir Spieler alles zusammenfügen mussten. Das fühlte sich fast wie in einem Traum an, als wärst du im Verstand von jemand anderem. Deshalb finde ich die Szenen des Comics am besten, in denen ich das nachempfinden konnte.

DAMIEN:
Für mich sind es die Szenen mit dem Wächter. Mir gefällt auch der Abschnitt im brennenden Herrenhaus besonders.

SZYMON:
Die "Scheunen"-Szene.

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Hat die Arbeit an Horror-Projekten jemals Albträume bei euch verursacht? Vielleicht sogar in Verbindung mit The Evil Within?

RYAN:
Kein Albtraum im eigentlichen Sinne, aber mir ist etwas wirklich Seltsames passiert. Nachdem ich an Bord kam, um den Comic zu schreiben, wollte ich zur Auffrischung das Spiel noch mal durchzocken – seit es vor ein paar Jahren veröffentlicht wurde, hatte ich es nicht mehr gespielt gehabt. Das dauerte einige Tage, aber es war die Zeit wert; aus beruflichen Gründen spielen zu müssen, war schon immer eines meiner Lebensziele gewesen. Eines Nachts war ich gegen 3 Uhr morgens mit einem Level fertig, schaltete den Laptop aus, ging zu meinem Bett – selbstverständlich mit dem Rücken zur Wand – und schlief ein. Oder versuchte es zumindest.

Da lag ich nun im Bett und versuchte, mich zu beruhigen. Schließlich waren meine Nerven ganz schön angespannt, nachdem ich ein verdammt aufwühlendes Spiel zehn Stunden lang am Stück gezockt hatte. Plötzlich hörte ich ein Geräusch. Es klang, als wäre ein Vogel gegen mein Fenster geflogen. Der Aufprall hatte mich nicht erschreckt, aber sehr wohl das, was danach passierte: Der "Vogel" begann damit, für volle 30 Sekunden AN MEINEM FENSTER ZU KRATZEN! Durch meine zehn Stunden mit The Evil Within hatte ich noch reichlich Adrenalin in den Adern. Meine automatische Reaktion auf etwas Furchterregendes bestand also darin, dass ich zu ignorieren versuchte, dass es mir Angst machte. Ich blieb also liegen und hörte zu, wie diese Vogel-Dämonen-Kreatur an meinem Fenster scharrte – dabei war mir voll bewusst, dass ich eigentlich viel entsetzter hätte sein sollen. Letztendlich beschloss das gefiederte Mistvieh, dass es noch andere unschuldige Comicautoren zu quälen gibt, und flog davon. Ich tat, was jeder verantwortungsvolle Erwachsene tun würde: Ich ging zu meinem Laptop zurück und spielte The Evil Within weiter. Er war zu mir gekommen. Der Vogel war eine Botschaft, die nicht unbeantwortet bleiben durfte.

Am nächsten Tag untersuchte ich das Fenster und es war tatsächlich mit Kratzspuren übersät. Das Merkwürdige ist nur, dass ich vorhin noch mal nachgesehen habe und sie jetzt nicht mehr da sind.

Vielleicht habe ich mir ja alles nur eingebildet.

SZYMON:
Du meinst den halbnackten dicken Typ mit der Maske, der mich die ganze Zeit durchs Fenster anstarrte, während ich an The Evil Within arbeitete? Davon abgesehen ... nein. Und ganz ehrlich, The Evil Within ist purer Spaß und Unterhaltung. Der wahre Horror ist vielmehr die Frage: "Wie zum Geier soll ich meine Rechnungen bezahlen, wenn ich all mein Geld für Horrorspiele und -Comics ausgegeben habe?"

Weitere Infos zu The Evil Within 2 findet ihr in diesen Artikeln und Videos:
The Evil Within 2 – Das Wichtigste zur Geschichte
The Evil Within 2 – "Survive"-Gameplay-Trailer
13 Dinge, die ihr über The Evil Within 2 wissen müsst
The Evil Within 2 – Zurück in den Albtraum